Freitag 25.September 09 7.30 Uhr
30 Minuten Schlaf konnte ich mir nach dem Beantworten der Fragen beim 3-Tage-Wach gönnen, anschließend geht es sofort weiter zum Äpfelverteilen mit Cem am Schlossplatz. Anscheinend sehe ich furchtbar übermüdet aus, denn alle klopfen mir auf die Schulter und ich werde an eine Ecke gestellt, an der mich keine Menschenmassen überrennen. Nach einer halben Stunde ist mein Korb immer noch halbvoll und ich laufe etwas entnervt zurück zur Gruppe, um dort festzustellen, dass für den verspäteten Fotografen keine Äpfel mehr da sind. Kurzer Hand wird Cem mein Korb in die Hand gedrückt und ab geht die Bilderflut. Da ich mich kaum noch auf den Beinen halten kann, verabschiede ich mich und trolle mich zu ein paar Stunden Schlaf.

Freitag 25.September 09 ca. 14.30 Uhr
Eigentlich war ich mit Peter verabredet um Infostand und Aktionsmaterial zu besorgen, allerdings wird Peter im Kreisbüro so lange aufgehalten, dass es uns nicht mehr zum Baumarkt reichen würde.
Also stoße ich erst kurz vor 16 Uhr auf dem Schlossplatz zu den anderen. Unser Infostand wird geschmückt, Plakate neben der Bühne aufgehängt und bergeweise Material angekarrt. Der Platz füllte sich dann auch echt gut und am Infostand gingen die Flyer weg wie an keinem Tag zuvor. Während der Aktion wurde ich von anderen GJ-Mitgliedern mit Anrufen zur Samstagsaktion bombardiert, darunter als Krönung eine Telefon-Nachfrage zur Bürgerversicherung, bei der ich selbst auch erstmal ins Wahlprogramm schaue, das netterweise am Stand lag. Moderiert wurde die Sause von Rezzo Schlauch und musikalisch umgeben von Mouse-T und der Blue Band. Biggi machte den Anfang und sprach mit einem starken Schwerpunkt auf Grün wählen und Gesundheitspolitik. Anschließend kam Dany Cohn-Bendit, der den Einheizer der Veranstaltung gab und Cems Stärken und Leistungen heraushob, aber auch seine Hunziker-Affäre nicht unerwähnt ließ und ihn dafür lobt den Kopf damals nicht in den Sand gesteckt zu haben, sondern daraus gelernt zu haben.
Cems Rede danach für mich mittlerweile sehr schwer einzuschätzen, da ich die Textbausteine und den Aufbau mittlerweile kenne und mich schwer tue, die Rede noch objektiv einzuordnen. Bei den Anderen war die Meinung einhelleig, dass Cem sehr stark geredet hat. Zumindest war der Applaus reisig. Seine Schwerpunkte natürlich die Situation in Stuttgart, dass er kämpfen wird auf den letzten Metern, Regenerative Energien und der Atomausstieg werden eifrig beklatscht, allerdings der stärkste Teil für mich ist immer sein Appell für eine Bildungsoffensive und mehr Chancengerechtigkeit für Arbeiter- und Migrantenkinder, wie er selbst eins war. Besonders die eigene Vergangenheit verleiht ihm hier besondere Glaubwürdigkeit. Zum Ende noch der Aufruf, dass er die Berlinerkampagne von seinem CDU-Gegenkandidaten Kaufmann nicht akzeptabel findet, sich diesem Niveau aber nicht anpassen will und er von seiner Seite einen fairen Wahlkampf führt.
Zum Ende muss viel zusammengeräumt werden und ich mache mich noch auf um von meinen Eltern einige Dinge für meine Verkleidung morgen zu besorgen =).

Freitag 25.September 09 ca. 21.30
Wieder 3-Tage-Wach. 5h werde ich durchhalten und gegen halb 3 todmüde ins Bett fallen. Kurz nach 12 wird mir dann Daniel Gesellschaft leisten, der gleichzeitig seine Mails beantwortet, wo ähnliche Fragen auftauchen. Die ulkigste Frage heute: “Wie stehen die Grünen zur Wiederansiedlung des Braunbären?”. Ich habe keine Ahnung und leite die Mail weiter an einen Tierexperten. Dann aber eine sehr bedrückende Frage, eine 49-jährige alleinerziehende arbeitslose Frau mit 3 Kindern findet keine Arbeit und frägt welche Partei sie wählen soll. Die Antwort fällt mir nicht leicht, zuerst sage ich ihr, dass sie von mir natürlich keine objektive Wahlempfehlung bekommen kann, aber ich zähle ihr auf was die Grünen vorschlagen um Menschen in ihrer Situation zu helfen, Neuorganisation der Arbeitsvermittlung, Kindergrundsicherung u.ä und verabschiede mich mit einem netten Gruß.
Nach vielen Fragen zu Wehrpflicht, Sozialpolitik und vielen anderen Dingen der Grünen etc. muss ich irgendwann feststellen, dass der Kopf nicht mehr so frei ist und auch das eine Glas Wein, dass ich mir gönne nicht zu meiner geistigen Leistungsfähigkeit. Also melde mich mit einer netten Mail ab und stopfe mich in mein Kissen.