In einer Veranstaltung des Hamburger Abendblatts konnten Schüler mit Cem Özdemir diskutieren und ihm Fragen stellen.

Auf die Frage:
“Nehmen Sie Vätermonate? “

antwortete Cem:
” Ich erwäge ernsthaft, in Elternzeit zu gehen. Das ist nur nicht so einfach als Parteivorsitzender. Aber ich überlege mir das trotzdem. Das Kind soll nicht ohne Vater aufwachsen. Ich habe den Anspruch, meine kleine Tochter jeden Tag zu sehen. Im Wahlkampf geht das leider nicht.”

Der Beginn einer Debatte in Stuttgart. DIe Gegenkandidatin von Cem im Wahlkreis 1 in Stuttgart hält die Äußerung für allein wegen der Aufmerksamkeit gemacht und viele Kommentare der lokalen Presse waren auch nicht sonderlich positiv. Das Elternzeit nur für Mütter aber nicht für Väter in der Politik nicht vorgesehen sind und es zu den elementaren grünen Forderungen in der Familienpolitik gehört Männer und Frauen gleich zu beteiligen, wird da gern vergessen. Von daher ist es in meinen Augen ein progressiver Schritt, dass ein Spitzenpolitiker hier auch hinter den eigenen Ansprüchen steht. Allein wieviel Aufmerksamkeit das Thema benötigt zeit dies, denn dass weibliche Abgeordnete und Politiker sich für einige Zeit zurückziehen können ist normal und wäre niemals mit solch einem Presseecho verbunden.

Umso schädlicher für Cem, die Grünen und für die vielen liberaleren und geschlechtergerechteren Ansätze in der Familienpolitik sind dabei Äußerungen wie sie von unserem Stuttgarter Landtagsabgeordneten und Gemeinderatsvorsitzenden Werner Wölfle über die Stuttgarter Nachrichten kommentiert wurden. Da der Artikel online nicht verfügbar ist hier ein kleiner Auszug:

“Werner Wölfle, Stimmenkönig der Grünen bei der Gemeinderatswahl und der starke Mann der Partei in der Landeshauptstadt, stand am Mittwochvormittag an einem Strand in Wales, als ihm die Nachricht von den Plänen für die Babypause übermittelt wurde. So eine Panne drei Wochen vor der Wahl löst bei ihm nur Kopfschütteln aus. Özdemir brauche doch nicht über eine förmliche Elternzeit nachdenken. Er könne seinen Terminplan als Parteichef und Abgeordneter trotzdem so gestalten, dass er die Vaterpflichten damit verbinden könne. „Ich werde Cem anrufen und sagen, dass das nichts war“, sagte der Urlauber Wölfle.” -Stuttgarter Nachrichten 10.September 2009

Aussagekräftiger ist in meinen Augen die Tatsache, wo sich der Zitierte zu diesem Zeitpunkt befindet: Im Urlaub! Ins gleiche Bild passt einer der letzten öffentlichen Patzer von Werner, in der Neujahrszeit, als er die damalig eine Falschmeldung, Erststimmenkampagne von Cem forderte und gleichzeitig einen anderen Grünen massiv angriff. Der Neujahrsempfang stand deshalb auch unter massiver Betrachtung der Presse und Cems Rede fand massive Aufmerksamkeit in den Medien und war kein optimaler Auftakt in den Kommunalwahlkampf.

In meinen Augen ist es schon sehr frech, nach der eigenen gewonnen Wahl, bei der im vorhergegangenen Wahlkampf einige der größten Kritiker von Werner aus Solidarität mit den Grünen und ihren Themen auch verstummten, nun so zu agieren. Sie ist im speziellen ein Affront gegen alle Engagierten, die den Zweiten Wahlkampf dieses Jahr stemmen und ihm im Ersten zum Sieg halfen und gegen Cem persönlich. Ebenso wäre ein angemessenes Engagement für Cem angepasst gewesen, besonders als bekannter Stuttgarter Grüner.

Nochmal zurück auf das Elternzeitthema. Die Familienpolitik ist zentral in der Gleichstellungsfrage. Männer müssen von ihrem Ross herunter, aber ihnen müssen auch die Möglichkeiten offen stehen, dies zu tun. Von den Stuttgarter Grünen sind momentan 1 Gemeinderat und ein Bezirksbeirat in Elternzeit, warum soll dies nicht in Ansätzen auch für die höheren Ämter gelten.