Die verkehrspolitische Schreckensmeldung der letzten Woche handelt nur indirekt von Stuttgart 21. Die hohen Kosten des neuen Bahnhofs bedrohen nun einige der wichtigsten Bahnprojekte des Landes und Bundes, darunter die Rheintalschiene, die Y-Trasse bei Hannover und wohl auch einige Regionale Projekt in BW. Wie katastrophal die Finanzlücken bei allen beteiligten Partnern nun die Realität der Bauplanungen erreichen, liegt auch an den jahrelangen Verzögerungen der Projekte, mangelnder Transparenz und schlechter Kostenplanung, weshalb der Schaden nun umso größer ist.

Selbst die teure und von den Grünen unterstützte unterirdische Schnelltrasse Wendlingen-Ulm, welche mit der Absegnung von S21 nun ebenfalls fast sicher gebaut werden dürfte, steht was den Kosten-Nutzenfaktor angeht unglaublich schlecht da. Grund dafür ist die reine Auslegung auf Personenzüge, während der Güterverkehr weiterhin über die alte Strecke die schwäbische Alb erklimmt. Also ein weiteres Projekt, dessen Bau zumindest gegen andere Projekte abgewogen werden sollte.

Egal welche Vor- und Nachteile S21 am Ende bringen wird, der Investitionsstopp in anderen Bereichen der Bahn in Baden-Württemberg wird dadurch nicht aufgefangen. Den größten Schaden erleidet dabei neben der öffentlichen Infrastruktur, allerdings wieder einmal die Glaubwürdigkeit der demokratischen Institutionen, schließlich hatte Günther Öttinger sich die Zustimmung seiner eigenen Fraktion, besonders aus den schlecht angebundenen ländlichen Regionen, damals durch die Zusage erkauft, dass alle geplanten Investitionen in den Regionalverkehr und in anderen Teilen Baden-Württembergs unangetastet bleiben würden, obwohl Kritiker diese Aussagen schon damals als nicht haltbar einstuften.

Traurig ist, dass viele der jetzt bekannt werdenden Tatsachen, lange verleugnet und erst Jahre später wohl eine genaue Bestandsaufnahme möglich sein wird.