Die Bildungsstreikwoche steht vor der Tür und die meistgehörte Frage an mich in den letzten Wochen, welche ich in dem Zusammenhang gehört habe war „Läuft das noch bei euch?“.

Ja die Bildungsproteste sind nicht vorbei. Auch wenn ich vermute, dass sie dieses Jahr kleiner ausfallen als im Vorjahr und im Herbst. Wer das nicht verstehen kann, hier ein paar Gründe:

Die meisten AktivistInnen opfern in einer dieser Phasen über Wochen ihre Zeit einer Aktionsform wie dem Bildungsstreik oder einer Besetzung. Ohne dieses hohe Engagement wäre auch die Präsenz in dieser Zeit kaum zu halten, was auch erklärt warum die Bewegung zwar recht klein der Zuspruch bei Demos etc. um einiges höher ist. Besonders für die Absolventen der neueren BA/MA-Abschlüsse bedeutet diese Zeit oft den Verlust von ECTS-Punkten, was in der folgenden Prüfungsphase oder im Folgesemester meist mit dem Kämpfen um die Zulassungsberechtigung endet. Das Problem der hohen Belastung und strengen Ausschlusskriterien an Universitäten ermöglicht kaum ein Engagement über das Studium hinaus. Mir persönlich drohen nun auch nach dem letzten Jahr mit hohem politischen Engagement in den Wahlkämpfen bei den Grünen und seit Herbst im Bildungsstreik im letzten Semester finanzielle Probleme, da nach 9 Semestern mein BaFög-Anspruch verbraucht ist und lassen mich auch überlegen welche Prioritäten ich nun verschiebe.

Ein weiterer Grund ist sicher auch die schwierige Organisationsform. Die Bewegung ist nicht groß strukturiert, die Arbeit in den Bündnissen sehr anstrengend und hängt an sehr wenig Köpfen ohne Ämterverteilung. Leute mit tröger Gremien- oder Parteierfahrung, welche nach starren Regeln verläuft, stehen Menschen gegenüber die zwar motiviert sind, allerdings kaum Erfahrung haben in größeren Gruppen kreative Ideen zu bündeln. Basisdemokratie ist zwar wunderschön für neue Ideen, aber zum Umsetzen dieser Ideen braucht es mehr als nur einen Kopf, der sich anschließend darum kümmert. Die (Kinder-)Krankheit wohl jeder Bewegung!

Die Hoffnung auf Änderungen im Hochschulbereich sind trotzdem keine Utopie! Wer sich bisher nicht eingebracht kann zumindest am 9.6. bei der Demo zeigen, dass er Veränderungen von der Politik fordert und sich auf den zahlreichen Nebenveranstaltungen mit uns unterhalten.
Bis dahin!